|
|
Professor James Anaya, Abgesandter der Vereinten Nationen und Beauftragter für die Rechte der Aborigines sieht es nach seinem zweiwöchigen Besuch sehr klar: Die Übergriffe in abgelegenen Aboriginal Gebieten im Norden des Landes sind eindeutig diskriminierend. Rassismus ist in Australien noch immer fest verankert. Anaya kämpft mit harten Bandagen. Die Regierung unter Premierminister Rudd solle umgehend das Anti-Diskriminierungs-Gesetz wieder in die Verfassung aufnehmen. Die Übergriffe auf die australischen Ureinwohner diskriminieren diese Minderheit. Das Recht der Eingeborenen, ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen, überhaupt das Recht auf Selbstbestimmung, wird sonst völlig ausgehöhlt. Auch sei der sogenannten „gestohlenen Generation“ eine Entschädigung zu zahlen.
Anaya zweifelt in keiner Weise daran, dass besondere Anstrengungen notwendig sind, um die Benachteiligung der Aborigines, ihre oft erniedrigende Behandlung und den Missbrauch von Frauen und Kindern zu stoppen. Die als „Rundumschlag“ bezeichneten Übergriffe sind nicht vereinbar mit zahlreichen internationalen Konventionen und Erklärungen. Es mag sein, dass ein paar besondere Maßnahmen gerechtfertigt sind, so Anaya, doch müssten diese auf ganz spezielle Umstände beschränkt werden. Zwangsverwaltung des Lohns und pauschale Verbote von Alkohol und Pornographie sind völlig überzogen und stigmatisieren diese Volksgruppen. Selbst Menschen, die bewiesen, haben, dass sie ihren Lebensunterhalt alleine verdienen können, fallen unter diese Vorschriften. Das ist nicht nur unangemessen, sondern auch erniedrigend. Selbst Wohnungsbaufonds werden erst ausgeschüttet, wenn die Eingeborenen ihr Land den Kommunen überschreiben. Anaya sagt: „Es ist einfach falsch, anzunehmen, Aborigines würden sich nicht um ihre Häuser kümmern.“ Was die Entschädigungszahlungen betrifft, die an Familien gezahlt werden sollen, die von den staatlichen Behörden auseinandergerissen worden sind, äußert sich der Abgesandte der Vereinigten Nationen unmissverständlich: „Diese Zahlungen stehen den Menschen der ‚verlorenen Generation’ zu.“
Doch für die Regierung von Premier Rudd sind nicht alle Ergebnisse des Besuchs negativ. Anaya lobt die Labor Partei dafür, dass bereits wichtige Schritte unternommen worden sind, die Menschenrechte und die Lebensumstände der Ureinwohner in Australien zu verbessern. Er beglückwünschte die Regierung dafür, dass sie die Deklaration der Vereinten Nationen zu den Rechten Indigener Minderheiten zu Beginn des Jahres unterschrieben hat. Auch die offizielle Entschuldigung an die „verlorene Generation“ aus dem Jahr 2008 würdigte er. Anaya hat Hoffnung. „Ich war beeindruckt von der Stärke, Standhaftigkeit und der Vision der Gemeinschaft der Aborigines. Sie wollen einer besseren Zukunft entgegen gehen, auch wenn sie noch immer an den beängstigenden Ereignissen der Vergangenheit leiden, und bis heute dem tief verwurzelten Rassismus der Bevölkerung ausgesetzt sind.“
© Down Under Guide
2009
|